Turkish Highline Carnival 2017

Die erste Begegnung ließ schon erahnen welche Ausmaße das Festival haben würde…

Vom 24.02. bis 04.03.17 fand in diesem Jahr zum fünften mal der Turkish Highline Carnival in Geyikbayiri statt und wir haben uns aufgemacht dem heimischen, spätwinterlichen Nieselregen zu entkommen und bei entspannten 23°C das Leben zu genießen… Zusammen mit der coolsten Community der Welt. Highlinern!

Emil und Kai sind schon eine Woche vor uns nach Antalya geflogen, um als Teil des Riggingteams der Crew beim Aufbauen und Organisieren zu helfen. Steffen, Jule, Pia und ich sind dann am Tag vor dem offiziellen Beginn nachgereist. Zusammen mit etwas Landcruising Gear für die Festivaltombola.

Am Flughafen, auf unser Shuttle zum Camp wartend, trafen wir als erstes Dani aus Australien, die im letzten Jahr schon hier gewesen war und es sich trotz dreitägiger Anreise nicht nehmen lassen wollte wieder dabei zu sein. Diese Begegnung mit ihr ließ schon leicht erahnen welche Internationalität das Festival haben würde…

Im JoSiTo Camp angekommen, haben wir schnell die gebuchte Hütte bezogen und schon ging es ab zum Lagerfeuer. Alten u. neuen Bekannten begegnen und Freunde wieder zu treffen ist eine der schönsten Seiten eines jeden Meetings od. Festivals. Natürlich kann man jeden Tag Highlinen, braucht selbst nichts aufbauen, alles ist fertig und bereit. Die Sonne scheint und die Landschaft ist der Wahnsinn, aber das was es wahrscheinlich so besonders macht, sind die Menschen denen man bei solchen Gelegenheiten begegnet.

Peter und Laura aus Berlin saßen schon zusammen mit Andrea aus Zürich am Feuer und beglückten die bunte Meute mit Gitarre und Stimme. So verlief dann der Abend mit Wein und Gesang. Ein toller Einstieg! Danke Andrea :)

In den folgenden Tagen wurden dann die Lines ausgecheckt. Insgesamt 19 Highlines in 5 Sektoren in Längen von 19m bis 108m waren geriggt.
Eine der Lines („Nasto Wje“, 52m lang und ca. 25m hoch) am Riverside in Campnähe hat es uns besonders angetan, da diese im Moment genau unser Level darstellt. Diese Line haben wir dann fast jedem Morgen vor dem Frühstück bearbeitet, während sich Jule und Pia auf den kürzeren „Three some“ Lines versuchten. Die Three some Lines haben auch eine besondere Hingucker, da die Lines direkt übereinander gespannt sind und man quasi übereinander läuft.

Jeden Tag haben wir kleine Fortschritte gefeiert und uns dann hungrig wie die Wölfe auf unser Frühstück in der türkischen Vormittagssonne gefreut. Ich bin echt stolz auf die Mädels, die zum ersten Mal auf Highlines dieser Art waren und sich täglich immer wieder in die Leash geschmissen haben, bis die ersten Schritte gemacht waren. Weiter so ihr beiden!!
Nach unserer Siesta ging es dann am Nachmittag meist zu einem der abgelegeneren Sektoren. Im „Kanon“ hab ich mir auf der ausgesetzten 30m Line ganz außen am Rand der Schlucht fast in die Hose gemacht, während Steffen auf der Selbigen in aller Ruhe erstmal Exposure geübt hat. Am späten Nachmittag konnte jedoch meine Motivation dem Respekt vor der Höhe trotzen und ich konnte die Line dann doch erfolgreich crossen.

Im „Windish Garden“ waren drei Nylon Lines geriggt, die uns ganz schön gefordert haben. Steffen ist hier seine erste 75er gecrosst und hat einige Exposures probiert, um den atemberaubenden Ausblick bis zum Meer genießen zu können. Emil und Kai haben sich ein ziemlich cooles Surfbattle geliefert. Mit Amplituden bis zu 8m!!! („Wetten ich schaff`s bis zum Ast des Baumes“) Einfach nur Wahnsinn. Ich hätte für diese Bänder noch ein paar Anläufe mehr gebraucht um klar zu kommen. Lockeres Backup in großen Schluppen, die sich um die Line wickeln stresst mich noch zu sehr… Leider hat es in den folgenden Tagen nicht mehr geklappt, da die Warteschlangen an den Lines teilweise enorm lang waren.
Das sind eben die kleinen Nachteile eines solchen Festivals. 300 Menschen für 19 Lines…

Ein kulturelles Highlight war das Einkaufen auf dem kunterbunten Wochenmarkt und der Besuch beim Forellenzüchter, welcher uns mit all seinen kulinatischen Raffinessen verwöhnte.
Verständigt haben wir uns meist mit Händen und Füßen, was einiges Kreativität abverlangte. Der Raki hat dabei definitiv geholfen.

Zusammenfassend muss ich sagen, war es ein richtig guter Auftakt in die kommende Highline Saison. Wir haben Sonne getankt, persönliche Grenzen weiter verschieben können, alte Freunde wieder getroffen, neue Freunde kennengelernt, in Fluß gebadet, richtig gut gegessen, gesungen, getrunken und getanzt.

Die Organisation war einsame Spitze. Besonders gut hat mir persönlich gefallen, dass es ein Rigging Team gab, welches in Schichten den ganzen Tag an jedem Spot präsent war und für die ständige Sicherheit der Lines sorgte. Sie haben Highlinebergungen trainiert und Rescue Bags an den Spots verteilt. Jede Line war mit einem Schild versehen auf dem der Name der Line, Länge, Höhe, Bandmaterial und zu beachtende Besonderheiten beschrieben waren. So etwas sollte bei jedem Highline Festival Standard werden.
Danke dafür an die ISA!!

von Micha